„Kinder sind das Wichtigste. Sie halten uns nicht von Wichtigerem ab.“
Zwangsstörungen sind eine seelische Krankheit. Betroffene sind davon in hohem Maße beeinträchtigt. Anders als bei der Psychose verlieren diese nicht den Bezug zur Wirklichkeit, d. h. sie begreifen sich und ihre Umgebung nicht als verändert. Personen mit Zwangsstörungen registrieren sehr wohl, dass ihre Gedanken oder Handlungen irrational, sinnlos, übertrieben sind. Allerdings kämpfen sie vergeblich dagegen an und bedürfen deshalb professioneller Hilfe. Die Dynamik des Drucks lässt erst nach, wenn die Zwänge ausgeklammert, unterdrückt werden. Die Bandbreite an Verhaltensauffälligkeiten ist breit gefächert.
Dabei unterscheiden wir zwischen Zwangsgedanken und Zwangshandlungen, wobei beide meist kombiniert auftreten. Wir sprechen erst dann von einer zwanghaften Störung, wenn die Betroffenen selbst darunter leiden. Wer z. B. an den Tagen, an denen der Freitag auf den 13. Kalendertag fällt nicht mit dem Auto fährt, leidet noch nicht an einer Zwangsstörung.
Unter Zwangsgedanken verstehen wir unangenehme Gedanken, die Patienten*innen plagen und beunruhigen und sich stereotyp immer häufiger ins Bewusstsein drängen.
Beispiele wären etwa religiöse Zwangsgedanken. Diese werden auch als „Skrupel-Syndrom“ bezeichnet. Patienten*innen leiden an zwanghaften Gewissensqualen. Sie ängstigen sich, moralisch zu versagen, religiöse Normen zu verletzen, fürchten sich vor Sünden und kämpfen mit Schuldgefühlen. Ein weiteres Beispiel ist der Zählzwang. Darunter versteht man aufgedrängte Impulse, Zahlenrituale auszuführen, etwa der Zwang, immer wieder bestimmte Objekte zu zählen, zwischen guten und schlechten Zahlen zu differenzieren. So muss bei einer guten Zahl die Quersumme immer eine Primzahl sein.
Zwangshandlungen sind Tätigkeiten, häufig verknüpft mit Ritualen. Die Bettoffenen fühlen sich verpflichtet, diese zu praktizieren. Nur so können sie unbehagliche Gefühle eingrenzen.
Ein Beispiel dafür ist der Kontrollzwang. Immer wieder werden nach demselben Muster perfektionistisch-zwanghafte Kontrollen vollzogen. Betroffene repetieren tagelang den Prüfungsstoff, ohne dass sie tatsächlich weitergekommen sind. Sie wirken nervös, erschöpft. Schließlich zweifeln sie die Leistungsfähigkeit des Lehrkörpers an. Weitere Beispiele: Wasch-, Putz-, Ordnungs-, Sammelzwang etc. Die Gefahr besteht, dass die Ernsthaftigkeit von Zwangsstörungen oft als Hemmung verharmlost und verschwiegen wird. Wichtig dabei ist, Begleiterscheinungen zu erkennen und auszuschließen.