„Nicht jeder Tic ist ein Tic.“
Tic-Störungen sind neuropsychiatrische Störungen. Sie lassen sich in drei Gruppen einteilen:
Tics | ||
motorisch | phonetisch | |
einfach | überwiegend unwillkürliche Muskelbewegungen; oft wiederholender Bewegungsablauf, nicht rhythmisch Bsp.: Augenzwinkern, Schulter-/Kopfrücken… | nicht zweckgebundene, unwillkürliche Artikulation von Lauten, Geräuschen Bsp.: Grunzen, Räuspern, Schniefen, Formulieren von Silben (ah, eh…), lautes Ein-/Ausatmen… |
komplex (kombiniert) | beteiligt sind mehrere Muskelgruppen, scheinbar zweckorientiert Bsp.: Drehungen, Hüpfen, Stampfen… | scheinbar zweckorientierte verbale Äußerungen Bsp.: Sprechblockade, Ausrufen von Satzfragmenten… |
Sonderformen | Kopropraxie: deplatziertes, zwanghaftes Zeigen obszöner Gesten Echopraxie: Bewegungen Dritter werden imitiert | Koprolalie: deplatziertes, zwanghaftes Aussprechen obszöner Worte Echolalie: Sätze/Worte von Dritten werden nachgesprochen Palilalie: selbst artikulierte Wörter/Sätze werden wiederholt |
Typisch für Tic-Störungen ist, dass sie meistens disparat unterbunden werden können. Heftige Gemütsbewegungen wie bspw. Freude, Wut etc. verschärfen Tic-Störungen. Dagegen nimmt die Symptomatik oft bei konzentriertem und entspanntem Verhalten ab.
Am häufigsten (ca. 10% aller Kinder) begegnen wir Tic-Störungen bei Kindern im Grundschulalter (6-8 Jahre). Im Alter von 10-12 Jahren sind die Symptome am stärksten. Tics sollten bei subjektiver Belastung der Kinder/Jugendlichen behandelt werden. Halten Tic-Störungen ≥ 1 Jahr an, ist die Tic-Störung chronisch.
Tourette-Syndrom:
Neben den motorischen- und phonetischen Tic-Störungen ist das „Tourette-Syndrom“ (benannt nach dem frz. Arzt „Tourette“) die dritte Art der Störungen.
Ein Tourette-Syndrom ist definiert als Kombination von mehreren motorischen- und mindestens einem phonetischen Tic. Je früher die Beratung/Therapie einsetzt, umso günstiger ist die Erfolgsquote.
Ein Tourette-Syndrom äußert sich oft mehrmals täglich, ohne dass es sich zurückbildet. Der psychische Leidensdruck ist hoch. Betroffene leiden häufig an weiteren Störungen [z. B. AD(H)S].
Wichtig ist, Bezugspersonen über das Krankheitsbild zu informieren, weil sie sich meistens nicht vorstellen können, dass die Symptome sich unwillkürlich krankheitsbedingt melden.