„Beende, was du angefangen hast, vollende, was du angepackt hast, es gelingt dir, was du in Angriff genommen hast.“
Eine Essstörung ist eine bedrohliche Krankheit. Das Verhältnis des eigenen Körpers zum Essen ist gestört. Trotz Untergewicht fühlen sich die Betroffenen häufig aber nicht krank. Sie vermögen nicht, den Körper nüchtern einzuschätzen. Die Erkrankung muss zwingend behandelt werden, weil es sonst zu gravierenden und lebensgefährlichen Folgen kommen kann.
Bei einer Essstörung handelt es sich nicht um eine Entwicklungsphase, die von alleine verstreicht. Betroffene können diese Störung nicht alleine bezwingen. Meist entfalten sich Essstörungen in der Pubertät oder im frühen Erwachsenenalter. Der Übergang von einem offenkundigen zu einer krankhaften Essverhalten verläuft häufig unmerklich. Mädchen sind doppelt so häufig (30%) betroffen wie Jungen. Auch treten Essstörungen oft als Mischform auf. Je früher die Störung erkannt und therapiert wird, umso erfolgreicher ist die Prognose.
Die zwei verbreitetsten Formen von Essstörungen sind :
1. Anorexia nervosa (Magersucht)
Von Magersucht sprechen wir dann, wenn das Körpergewicht 15% unter dem für Körpergröße und Alter gesuchten Gewicht liegt. Betroffene haben die Empfindung hungrig vs. satt verloren. Obwohl sie bspw. messbar untergewichtig sind, sind diese unfähig, den selbst herbeigeführten Prozess zu unterbinden.
2. Bulimia nervosa (Bulimie)
Bestehen die durchschnittlichen Essattacken aus mehreren tausend Kalorien/Woche und dauern über einen längeren Zeitraum an, spricht man von Bulimie.
Es ist eine Essstörung, gekennzeichnet durch die Substituierung von konsequent kontrolliertem Essgebaren und Heißhungerattacken (oft auch Süßigkeiten). Betroffene verschlingen unkontrolliert, anfallartig, heimlich und hastig große Portionen, Sie können nicht abschätzen, was/wieviel sie essen. Anschließend fühlen sie sich schuldig und steuern dagegen: Erbrechen, Fasten, Diäten, Medikamente, übermäßiger Sport etc. Sie sind nicht fähig, Widersprüche „wie will ich sein“ vs. „wie bin ich wirklich“, „ich schaffe alles“ vs.“ ich bin nichts wert“ aufzulösen. An Bulimie Erkranke führen oft ein Doppelleben, von Außenstehenden nur schwer zu erkennen, zumal sie oft normalgewichtig sind. Das Krankheitsbild tritt meistens in der Adoleszenz auf.
Symptome können bspw. Fressanfälle, absichtlich provoziertes Erbrechen, permanentes Kalorienzählen, Missbrauch von Abführmitteln, Entwässerungstabletten, Depressionen sein.
Die Symptome bei Bulimia nervosa überschneiden sich häufig mit denen der Anorexia nervosa. Es gibt fließende Übergänge.
Je nach Schwere des Krankheitsverlaufs überweisen wir an eine Tagesklinik oder empfehlen einen stationären Aufenthalt in einer Klinik, denn die Behandlung (Nachsorge) ist sehr zeitaufwändig, Rückfälle sind möglich.
Vergleich
Anorexia nervosa | Bulimia nervosa |
Ideal: starke Untergewichtigkeit (von Dritten als unattraktiv empfunden); Essverweigerung ist Ausdruck der Selbstüberwachung (Verzicht als Lebensweise) | Ideal: schlanke Figur (leichtes Untergewicht), Orientierung am herrschenden Schönheitsideal |
Angst vor Kontrollverlust | Angst vor Ausgrenzung |
Streben nach Abgrenzung (Eigenkontrolle) | Sehnsucht nach Anerkennung (Integration) |
Stolz auf selbstbestimmtes Verhalten | Scham |
eher sexuelle Enthaltsamkeit | Verschließen sich nicht sexuellen Partnerschaften |
hohes Risiko für tödlichen Verlauf | tödlicher Verlauf selten, aber gravierende Folgekrankheiten |